Bioland-Präsident Jan Plagge im Interview

1971 gründeten zwölf Personen den Verein „bio gemüse e.V.“ – 50 Jahre später hat sich daraus der größte Bio-Anbauverband Deutschlands entwickelt. Bioland-Präsident Jan Plagge spricht im Interview über Vergangenheit und Zukunft des Vereins.

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Jan Plagge ist Präsident des Bioland-Anbauverbands

Dr. Hans Müller entwickelte mit seiner Frau Maria und Dr. Hans Peter Rusch die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus. Was ist von diesen Grundlagen heute noch da?
Jan Plagge: Sehr viel. Beide Impulse sowohl von Maria Müller als auch von Dr. Rusch gehen ja dahin, den Boden als komplexes biologisches System zu betrachten. Und Herr Rusch hat vor allem die Landwirte darauf aufmerksam gemacht, dass man biologisches Denken lernen muss. Der Boden ist ähnlich wie der Darm und hat ein Mikrobiom – unendlich viele Wechselwirkungen prägen ihn. Das gilt es zu verstehen.

Wie wichtig sind für Sie Partner wie EDEKA Südwest, die eine große Bio-Offensive vorantreiben?
Jan Plagge: Sie sind nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar. Der Einzelhandel ist der wichtigste Ort, wo Kaufverhalten und Konsummuster umgestellt werden. Wir haben 50 Jahre lang versucht, den Landbau zu ökologisieren. Jetzt wird es immer wichtiger, dass sich auch der Einkauf ändert und sich regionalisiert und ökologisiert. Ohne engagierte Einzelhändler geht das nicht! Und daher möchten wir die Zusammenarbeit mit EDEKA Südwest noch weiter intensivieren.

Inhaltlich ist mir als Präsident wichtig, dass wir an fairen Wertschöpfungsketten, an fairen Preisen über die gesamte Wertschöpfungskette arbeiten – vom Landwirt über die Hersteller, Händler bis hin zum Verbraucher.
Jan Plagge
Präsident von Bioland

Wo sehen Sie Bioland in zehn beziehungsweise 20 Jahren?
Jan Plagge: Unsere Grundlage aus den 50 Jahren Bioland ist: Alleine geht es nicht. Ein einzelner Betrieb – oder auch ein Einzelhändler – ist in diesem Umbauprozess überfordert. Dieser muss gemeinsam, kooperativ und kollektiv erfolgen, damit die Weiterentwicklung des Ökolandbaus vorangetrieben wird. Deshalb macht Bioland das Angebot, diese Ökologisierung und Regionalisierung der Lebensmittelproduktion zusammen zu gestalten. Und da sehe ich Bioland als einen Treiber. Auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren. Aber – mit einer weit offenen Tür für Landwirte sowie Einzelhändler.

Was macht Bioland-Produkte zu besseren Bio-Produkten?
Jan Plagge: Ich kann mich als Verbraucher*in auf eine Gemeinschaft von überzeugten Bioland-Bäuerinnen und -Bauern verlassen. Dazu sind unsere Richtlinien deutlich strenger als die der EU-Öko-Verordnung – und werden auch ständig weiterentwickelt. Alle sechs Monate überarbeiten wir unser gesamtes Regelwerk und verschärfen, wo nötig, einzelne Bestimmungen. Somit ist in allen Bereichen sichergestellt, dass wir immer das beste Bio-Angebot für die Verbraucher*innen haben. Dabei arbeiten wir auch mit anderen Verbänden wie z. B. Demeter im Bereich der Züchtung eines Zweinutzungshuhns zusammen. Grundsätzlich warten wir nicht auf Vorschriften, sondern versuchen proaktiv die Produktion bester Bio-Waren sicherzustellen. Dabei ist Bio nicht nur eine betriebswirtschaftliche Optimierung für uns – jeder Betrieb steht zu 100 Prozent hinter den Bioland-Prinzipien. Unsere Biodiversitäts-Richtlinien sind einzigartig in Deutschland. Wem Artenvielfalt wichtig ist, der leistet durch den Kauf von Bioland-Produkten den größtmöglichen Beitrag.

Was ist denn Ihr Lieblings-Bioland-Produkt?
Jan Plagge: Ich habe viele – den Rinderbraten vom örtlichen Erzeuger und den Bioland-Naturjoghurt. Ich könnte jedoch nie auf die Bioland-Äpfel, -Kartoffeln und -Möhren verzichten.

Der Agrarwissenschaftler und Agrarpolitiker Dr. Hans Müller wollte die Grundlagen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sichern

Maria Müller untersuchte die Bodenfruchtbarkeit. Neben ihrem Mann und Dr. Rusch gilt sie als Wegbereiterin des Öko-Landbaus

Der Arzt und Mikrobiologe Dr. Hans Peter Rusch entwickelte ein Testverfahren zur Bestimmung von Bodenfruchtbarkeit

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#zukunftleben

EDEKA Südwest möchte Ihnen viele regionale und nachhaltig produzierte Lebensmittel bieten. Unter der Eigenmarke „Unsere Heimat – echt & gut“ finden Sie über 300 Produkte von Erzeugern aus den Bundesländern des Absatzgebiets von EDEKA Südwest. Immer mehr dieser Lebensmittel entstehen nach den strengen Richtlinien von Verbänden wie Bioland, Demeter oder Naturland.

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