Sterne fotografieren – so klappt’s

Natur erleben und funkelnde Momente festhalten: Mit unseren Tipps vom Profi-Fotografen erstellen Sie brillante Sternenbilder.

Die Location

Um das perfekte Foto zu schießen, ist das Allerwichtigste, erst mal einen geeigneten Standort zum Fotografieren zu finden. Sonst bringen die beste Ausrüstung und Technik wenig. Deshalb sollten ein paar Punkte unbedingt beachtet werden.

1. Lichtverschmutzung: Damit die Sterne in ihrer vollen Brillanz sichtbar werden, muss die Umgebung so dunkel wie möglich sein. Halten Sie sich deshalb von Wohngebieten und beleuchteten Straßen fern. Wo die Lichtverschmutzung am geringsten ist, können Sie auf speziellen Landkarten sehen, die im Internet zu finden sind.
2. Aussicht: je höher Sie sich positionieren, desto besser. Nicht nur, weil dort meistens weniger künstliches Licht stört. Sondern auch, damit Ihnen möglichst wenig Hindernisse die Sicht versperren. Gerade beim Fotografieren der Milchstraße ist das von Vorteil, weil ihr Zentrum in unseren Breiten dicht am Horizont steht.
3. Umgebung: Überlegen Sie sich, ob im Vordergrund nur Landschaft zu sehen sein soll. Oder gibt es vielleicht ein besonderes Objekt – zum Beispiel einen Felsen oder Turm –, das dem Foto noch einen zusätzlichen interessanten Aspekt verleiht.
4. Vorsicht: Wenn der Spot ihrer Wahl in einem Naturschutzgebiet liegt, denken Sie daran, dass Sie sich nur auf den angelegten Pfaden und Straßen bewegen dürfen.

Die Ausrüstung

Wer denkt, ohne die neuste digitale Spiegelreflex-Kamera geht gar nichts, liegt falsch. Auch mit einem älteren Fotoapparat lassen sich tolle Aufnahmen machen. Worauf es tatsächlich ankommt, ist die Möglichkeit, manuelle Einstellungen vorzunehmen. Denn beim Fotografieren in der Dunkelheit hat der Automatik-Modus definitiv seine Grenze erreicht. Wenn Ihre Kamera die Bilder als RAW-Dateien abspeichern kann, ist das ein zusätzlicher Pluspunkt. Dann können Sie die Fotos später auch noch am Computer bearbeiten. Was Sie außerdem auf keinen Fall vergessen sollten: ein stabiles Stativ, eine Stirnlampe mit Rotlicht, einen Schlafsack und heiße Getränke.

Das Wetter

Wenn der Himmel voller Wolken hängt, macht Sternen-Watching natürlich wenig Sinn. Grundsätzlich lautet das Motto: je klarer die Luft, desto besser. Und das ist bei kalter Luft prinzipiell eher der Fall als bei warmer. Oft hat man nach einem Regenschauer besonders gute Sicht. Aber Wetter ist nicht das Einzige, das Sie im Blick haben sollten. Wichtig sind auch die Mondphasen. Ein kurzer Blick in den Mondkalender genügt. Die Nächte um Neumond eignen sich am besten, da die Sterne dann am wenigsten vom Mondlicht überstrahlt werden. Apropos strahlen: Eine Schneelandschaft kann eine wunderschöne Umgebung für ein Sternen-Foto zaubern. Allerdings reflektiert der weiße Schnee stark, wodurch er Teile des Lichts der Himmelskörper verschluckt.

Kurze Belichtungszeit

Dieser Begriff ist im Zusammenhang mit der Sternen-Fotografie ziemlich relativ. Denn natürlich ist die Belichtungszeit im Vergleich zum Fotografieren bei Tageslicht ohnehin schon viel länger. In der Regel sind etwa 20 Sekunden ein guter Richtwert, um die Sterne als klare helle Punkte auf dem Foto festzuhalten. Bei so einer Dauer ist jedoch immer zu beachten, dass der Fotoapparat absolut ruhig gehalten werden muss, sonst verwackeln die Lichtpunkte und das Foto wird unscharf. Ein Stativ ist deshalb unerlässlich. Außerdem sollte der Auslöser nicht manuell betätigt werden, da auch das zu Erschütterungen führt.

Lange Belichtungszeit

Beeindruckende Startrail-Aufnahmen wie hier oben entstehen durch Belichtungszeiten von mehreren Minuten bis Stunden. Aufgrund der Erdrotation bilden sich auf dem Foto die sogenannten Startrails, also Sternspuren. Dieses Phänomen tritt ab einer Belichtungszeit von ungefähr 30 Sekunden ein. Je länger die Belichtung dauert, umso länger werden die Spuren. Dadurch wird jedoch auch das Endergebnis unberechenbar. Sei es, weil etwas durchs Bild fliegt oder der Sensor der Kamera überhitzt. Deshalb werden hierfür meist mehrere Fotos (z. B. mit 5–6 Minuten Belichtung) hintereinander aufgenommen und später digital am Computer zusammengesetzt.

Hilfreiche Tipps vom Profi

  • Als Kamera-Einstellung empfiehlt unser Fotograf: Weitwinkelobjektiv, die Blende so weit wie möglich öffnen, den ISO-Wert auf 1600 einstellen und 20 Sekunden belichten. Diese Variablen von Schuss zu Schuss anpassen, bis das Ergebnis stimmt.
  • Nutzen Sie Ihr Smartphone mit Apps für Wetter, Sternenbilder und Lichtverschmutzung. Nur fürs Fotografieren selbst ist das Smartphone nicht geeignet, weil sich die Kamera meist nicht manuell einstellen lässt.
  • Planen Sie genug Zeit ein. Sie sollten am besten noch bei Tageslicht starten. Wenn es erst mal Nacht ist, wird es schwierig, die Ausrüstung vorzubereiten und alles aufzubauen.
  • Fokussieren Sie noch bei Tag auf einen weit entfernten Punkt am Horizont und schalten Sie dann den Autofokus ab. Oder nutzen Sie bei Nacht den Liveview mit der Lupenfunktion um auf einen möglichst hellen Stern manuell scharf zu stellen.
  • Damit keine Unschärfen auf dem Foto entstehen, ist ein Fernauslöser hilfreich. Wenn Sie keinen haben, sollten Sie den Selbstauslöser nutzen, anstatt manuell auszulösen.
  • Nutzen Sie als Arbeitsbeleuchtung nur Rotlicht. So müssen sich Ihre Augen nicht immer wieder an den Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkelheit gewöhnen.

„Das Wichtigste beim Sterne-Fotografieren ist die Geduld. Wenn man dann den Moment erwischt, in dem alle Faktoren perfekt zusammenlaufen, ist das einfach sagenhaft.“

Carsten Riedl, Fotograf.
Für #zukunftleben machte er sich auf den Weg, um die schönsten Nachthimmel im Südwesten zu fotografieren.

Was ist los am Himmel?

Das beliebteste Motiv ist wahrscheinlich die Milchstraße. Sie ist immer sichtbar – jedoch mal mehr, mal weniger gut. Zum Fotografieren eignet sich deshalb am besten der Zeitraum zwischen Juni und August, da das Zentrum der Milchstraße dann über dem Horizont steht. Aber auch die jährlich wiederkehrenden Meteor-Schauer bieten Gelegenheit für schöne Aufnahmen: im Oktober die Draconiden und Orioniden, im November die Leoniden und im Dezember die Geminiden. Dann sind bis zu sechs oder sieben Sternschnuppen auf einem Bild möglich. Da wird jede Foto-Nacht zum Abenteuer.

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