Am 4. März 2021 fand im Haus der Natur der Naturpark-Talk „Lebensraumpatenschaften – das neue Miteinander von Mensch und Natur“ per Livestream statt. Thema war, wie Landwirte, Naturpark-Wirte und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam Verantwortung für die Region übernehmen. Zugeschaltet war auch Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL und Jürgen Mäder, Geschäftsführer von EDEKA Südwest.

Bild2 Hochweide VDN S. Plewinski

Regionale Produkte erleben in Zeiten von Corona starke Zuwachsraten und sind im wahrsten Sinne des Wortes zunehmend in aller Munde. Und es gibt gute Gründe dafür: Qualität, Echtheit, Vertrauen, Klimaschutz, Landschaftspflege, Tierwohl, Artenvielfalt und die Menschen, die wertschätzend mit den Produkten umgehen. Es gibt aber auch handfeste Hindernisse, die einen wirklichen Durchbruch von regionalen Produkten am Markt bisher erschweren, wie zum Beispiel Preis, Verfügbarkeit, Mengen, Kundenorientierung und Sortenvielfalt.

Langjährige Kooperation zwischen der Erzeugergemeinschaft Schwarzwaldhof Bio-Weiderind und EDEKA Südwest

Seit über 20 Jahren bestehen im Naturpark Südschwarzwald innovative und kreative Netzwerke zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern, Gastronomiebetrieben und dem Handel, die täglich daran arbeiten, den Menschen gesunde Nahrungsmittel aus der Region auf den Tisch zu bringen und eine vielfältige Landschaft zu erhalten. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Kooperation zwischen der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind und EDEKA Südwest mit seinen selbstständigen Kaufleuten. Über Jahre hinweg wurden konsequent Aufzucht-, Beweidungs-, Logistik- und Verwertungsabläufe optimiert und erfolgreich kundenorientiert ausgerichtet. Dieser Einsatz lohnt sich, da regionale Wertschöpfungsketten krisenunabhängiger sind und regionale Wirtschafts- und Nährstoff-Kreisläufe sowie die Biodiversität fördern können.
Zukünftig wird das Angebot an Schwarzwald Bio-Weiderind auch auf den Verein der Naturpark-Wirte Südschwarzwald ausgeweitet. Diese bilden eine wichtige Brücke hin zu den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern, denn sie stehen für echten Genuss, verbunden mit (Ess-)Kultur und Heimat.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Gemeinsames Ziel der Akteure ist, durch „Landschaftspflege mit Messer und Gabel“ einen Beitrag zum Naturschutz, zum Erhalt der Kulturlandschaft und zum Erhalt des Erholungswertes zu leisten. So kann für alle ein Mehrwert entstehen: für Verbraucherinnen und Verbraucher, für Einheimische und Gäste.
Während des einstündigen Naturpark-Talk am 4. März 2021 im Haus der Natur am Feldberg diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Handel, Landwirtschaft und Gastronomie zur Frage, wie landwirtschaftliche Betriebe, Naturpark-Wirte und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam Verantwortung für die Region übernehmen können. Moderiert wurde der Naturpark-Talk von Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald.

„Aufgabe der Politik muss es sein, Wege aufzuzeigen“

Aus Stuttgart zugeschaltet war Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg). Das Land unterstützt die Regionalvermarktung in vielfältiger Weise und setzt mit der Kampagne „Natürlich. VON DAHEIM“ breitflächig Impulse. Menschen, Produkte und Geschichten sollen Verbraucherinnen und Verbraucher für regionale Produkte begeistern und auf die Vielfalt der hiesigen Lebensmittel hinweisen. „Wir wollen, dass die Menschen auch künftig regionale Produkte kaufen und genießen können. Dazu braucht es aber auch heimische Bäuerinnen und Bauern, die Weiden und Äcker bewirtschaften, Tiere halten und die Artenvielfalt pflegen. Aufgabe der Politik muss es sein, nicht ständig mit neuen Regeln und Auflagen Landwirtschaft zu behindern, sondern Wege aufzuzeigen und Spielräume zu schaffen, damit auch künftig das Land von unseren Bauern bewirtschaftet wird. Auch der Handel und die Gastronomie spielen bei der Vermarktung regionaler Produkte eine wichtige Rolle, Kooperation lautet das Stichwort. Wie gut das funktioniert, sieht man am Beispiel Edeka, Bioweiderind und Naturpark-Wirte. Solche Projekte brauchen wir zukünftig noch mehr“, betonte Minister Hauk.

Gemeinsam innovative Vermarktungsstrategien entwickeln

Ebenfalls zugeschaltet war Jürgen Mäder, Geschäftsführer von EDEKA Südwest. Der Lebensmitteleinzelhandel ist in den letzten Jahren verstärkt in die Regionalvermarktung eingestiegen. Im Bereich der Kommunikation und Sensibilisierung für Regionalität und Nachhaltigkeit ist er ein wichtiger Akteur und kann Trends mitsetzen. Ein Beispiel ist das Schwarzwald Bio-Weiderind.
Bio-Landwirt Markus Kaiser (Bernau im Schwarzwald) ist Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind und „Genussbotschafter 2020“ des Landes Baden-Württemberg. Seit Jahren entwickelt er gemeinsam mit EDEKA Südwest innovative Vermarktungsstrategien für das Biofleisch und setzt dabei auf regionale Wertschöpfungsketten. In der Erzeugergemeinschaft haben sich rund 125 Mitgliedsbetriebe zusammengeschlossen. Zusammen können sie Mengenangebote gegenüber dem Markt bündeln bzw. abpuffern und steuern Qualität aus einer Hand.

Naturpark-Wirtin Aline Wimmer-You (Hotel Adler, Feldberg-Bärental) und Naturpark-Wirt Volker Hupfer (derWaldfrieden naturparkhotel, Todtnau-Herrenschwand) sind sich einig, dass die Bedeutung von regional produzierten, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, insbesondere Fleisch, für die Gäste in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Zudem sorgt die Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirtschaftsbetrieben und dem regionalen Handel für transparente Strukturen und kurze Transportwege.

Der Naturpark-Talk ist im YouTube-Kanal des Naturparks Südschwarzwald abrufbar.