Schildkröten-Biotop im Zoo Karlsruhe

Sie kann über 70 Jahre alt werden und doch ist ihre Art am Oberrhein ausgestorben: die Sumpfschildkröte. Erfahren Sie, was der Karlsruher Zoo dafür tut, die Schildkröte bei uns wieder heimisch zu machen – und warum das so lange dauert.

Europäische Sumpfschildkröte an Land

Zur Lage der Sumpfschildkröten

Schildkröten in den Rheinauen – bis ins Mittelalter eine Selbstverständlichkeit. Denn die Tiere waren hier heimisch. Und das in sehr großer Zahl. Im 16. Jahrhundert änderte sich das. Sumpfschildkröten gehörten fortan in den Klöstern zu den beliebtesten Fastenspeisen. Jäger fingen die Tiere massenweise und boten sie auf den Märkten an. Flussbegradigungen und trockengelegte Feuchtgebiete trugen ihr Übriges bei und engten die Lebensräume der Schildkröten immer weiter ein. So verschwand die Spezies am Oberrhein und gilt inzwischen in der Region als ausgestorben.

Die wunderschöne Färbung dieser einzigartigen Tiere fasziniert mich am meisten!

Dr. Matthias Reinschmidt, renommierter Biologe und Direktor des Zoos Karlsruhe

Das Biotop-Projekt im Zoo Karlsruhe

Höchste Zeit zu handeln! Das dachte sich Dr. Matthias Reinschmidt vom Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe. Mit Unterstützung von EDEKA Südwest realisierte er 2018 ein eigenes Schildkröten-Biotop neben dem Elefantenhaus. Inklusive Pflanzen, Gewässerzonen und einer Trockenmauer aus Sandstein. Seit Projektstart beherbergt das Biotop vier Sumpfschildkröten – eine Leihgabe des Reptilien-Zoos Landau. Das Zusammenleben der Tiere im neuen Domizil funktionierte dabei von Anfang an sehr gut. Ein Beleg: Die bis zu 20 Zentimeter langen Reptilien sonnen sich gerne mehrmals täglich direkt nebeneinander auf den Baumstämmen. Dass sie dabei so gut harmonieren, ist wichtig für das gesamte Projekt. Schließlich sollen mittelfristig weitere Tiere, die von den Populationen der Sumpfschildkröte aus Deutschland stammen, ins Biotop einziehen. Diese Exemplare würden Reinschmidt und sein Team dann gerne züchten und für Auswilderungen in den Rheingebieten vorbereiten. Ein Vorhaben, das einige Jahrzehnte dauern dürfte. Denn Sumpfschildkröten sind erst mit etwa zehn bis 15 Jahren geschlechtsreif und können die dafür nötigen Nachkommen zeugen. Doch schon jetzt leistet das Biotop-Projekt einen Beitrag zum Artenschutz. Indem es sensibilisiert und über die Schutzbedürftigkeit von Deutschlands einziger heimischer Schildkrötenart aufklärt. Ein erster Meilenstein!
Eine Europäische Sumpfschildkröte im Wasser.
Europäische Sumpfschildkröten können eine Panzerlänge von bis zu 20 Zentimetern erreichen

#zukunftleben

Viele weitere bedrohte Tierarten in unserer Heimat werden seit 2014 mit der Initiative „Unsere Heimat und Natur“ von EDEKA Südwest unterstützt. Weit mehr als 100 Gruppen und Vereine, die sich für den Artenschutz einsetzen, erhielten bereits finanzielle Förderungen. Perspektivisch soll mit der Initiative ein zentraler Biotopenverbund im Südwesten geschaffen werden.

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