Bienenschutz: zu Besuch bei den Honigmachern

Sie sind zwar klein, leisten aber Großes – die Bienen. Ohne sie würde ein Großteil unserer Obst- und Gemüsesorten fehlen. Warum, weiß Imker Roland Bröckel aus Murr. Wir haben ihn bei seiner Arbeit begleitet.

Es summt und brummt. Im Sekundentakt fliegen unzählige Bienen aus dem Bienenstock raus und rein. Die einen raus auf der Suche nach neuen Blüten, die bestäubt werden wollen. Die anderen zurück in den Bienenstock, vollbepackt mit Pollen und Nektar. Den Überblick über das rege Treiben behält Imker Roland Bröckel. Mit viel Ruhe und Sorgfalt geht der 65-Jährige seiner Arbeit nach. „Wenn es nicht regnet, bin ich jeden Tag bei meinen Bienen. Dann kontrolliere ich, ob bei den Bienenvölkern alles in Ordnung ist, oder reinige bei Bedarf die Wabenrahmen“, so Bröckel.

Seit sieben Jahren ist Roland Bröckel Imker, zuvor war er in der Logistikbranche tätig. Für ihn stehe aber nicht die Produktion von Honig im Vordergrund. Vielmehr sei es die Liebe zu den Tieren und die Erkenntnis, in Sachen Naturschutz selbst aktiv zu werden. „Wir nehmen jeden Tag von der Natur. Deswegen ist es wichtig, ihr auch wieder etwas zurückzugeben. Denn wir alle sind abhängig von den Honigbienen. Sie sind für mehr als 80 Prozent der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen verantwortlich“, erklärt Bröckel. Die Zahl der Bienen nimmt aber stetig ab. Das liege laut Imker Bröckel auch daran, dass die Tiere nicht mehr genügend Nahrung auf den Feldern und Wiesen finden: „Monokulturen, das häufige Mähen von Wiesen durch Kleingärtner oder Landwirte sowie der Einsatz von Pestiziden gehören zu den Hauptursachen für den Nahrungsmangel und das damit verbundene Bienensterben.“

“Wir alle sind abhängig von den Honigbienen. Sie sind für mehr als 80 Prozent der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen verantwortlich.

Roland Bröckel, Imker aus Murr

Honigbiene, Wespe & Co. – die Unterschiede

Honigbiene

Die braun-schwarzen Honigbienen können Vorräte für die Überwinterung anlegen. Das ermöglicht es ihnen, über mehrere Jahre mit dem gleichen Volk zu überleben. Die Zahl der Arbeiterinnen eines Volks ist mit rund 50.000 viel höher als bei Wespen, Hornissen und Hummeln. Bei einem Stich bleibt der Stachel der weiblichen Honigbiene im Gegensatz zu Wespen, Hummeln oder Hornissen in der Haut stecken.

Wespe

Wespen haben keine Haare und sind schlanker als Honigbienen. Ein Wespenvolk zählt üblicherweise um die 500 Tiere. Es existiert von März bis Oktober eines Jahres. Überwintern können nur neue Königinnen, die im nächsten Jahr neue Völker gründen. Ihre Nester bauen Wespen aus einer Mischung aus zerkautem Papier und Holz. Neben Nektar und Früchten sind Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.

Hornisse

Hornissen lassen sich leicht an ihrer rötlichen Färbung erkennen. Außerdem können sie mit bis zu drei Zentimetern fast doppelt so groß werden wie Honigbienen. Ein Hornissenvolk kann bis zu 700 Tiere zählen. Wie bei Wespen und Hummeln handelt es sich hierbei auch um ein einjähriges Volk, bei dem nur die Königinnen überleben. Wie die Wespen ernähren sich Hornissen neben Nektar auch von Insekten.

Hummel

Ein Hummelvolk kann bis zu 600 Tiere zählen. Sie nisten meistens in Erdlöchern, seltener in Baumstämmen. Im Gegensatz zu Wespen und Hornissen bauen Hummeln ihre Waben nicht mit Papier und Holz, sondern mithilfe von selbst produziertem Wachs und Erde. Hummeln ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pollen. Wie alle Wildbienen sind auch sie wichtige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen.

Bienenkönigin

Sie ist die Chefin ihres Hofstaats und das einzige geschlechtsreife weibliche Tier im Volk. Ihre Hauptaufgabe: das Legen von Eiern und dadurch für Nachwuchs zu sorgen. Die Bienenkönigin erkennt man am Hinterleib, der im Vergleich zu den Arbeiterinnen und den Drohnen – den männlichen Bienen – deutlich länger und auch breiter ist. Imker Roland Bröckel markiert seine Königinnen, wie üblich unter Imkern, mit einem farbigen Punkt. So kann er jederzeit den Zustand seiner Königin und des gesamten Volkes überprüfen. Damit die anderen weiblichen Bienen nicht geschlechtsreif werden, gibt die Königin die sogenannte Königinnensubstanz ab.

Vereinfachter Aufbau einer Beute

Die Behausung, in der ein Bienenvolk lebt, wird in der Fachsprache als Beute bezeichnet. Sie besteht meist aus diesen Elementen:

1  Deckel/Dach:  Der Deckel schützt die Beute vor Sonne und Regen.

2  Innendeckel mit Filzmatte:  Die Filzmatte dient zur Isolierung im Innendeckel.

3  Honigraum:  In dieser oberen Zarge – so werden die einzelnen Holz- oder Kunststoffkisten genannt – legen die Bienen ihre Honigvorräte auf Waben an. In Rähmchen, die man in die Zarge einhängt, werden die Wachsplatten eingelötet.

4  Trenngitter (Königinnengitter):  Dieses Gitter verhindert das Bebrüten des Honigraums, da die größere Bienenkönigin nicht durch das Gitter passt und somit keine Eier im Honigraum legen kann.

5  Brutraum:  In dieser unteren Zarge bauen die Bienen auf Waben das Brutnest. Rund um die Brut werden auf den Waben für den Nachwuchs Pollen und Honig angelegt.

6  Boden mit Anflugbrett und Fluglochkeil:  Auf dem Boden fußt die gesamte Beute und durch das Flugloch fliegen die Bienen in ihre Behausung ein. Der Keil verengt diesen Eingang, sodass keine Räuber wie etwa Mäuse in den Brutraum der Beute eindringen können.

Hautnah erleben, was ein Imker macht

Hobby-Imker Roland Bröckel gibt sein Wissen gern weiter. Auch in der Hoffnung, dass er andere interessierte Menschen von seinem Handwerk begeistern kann. Je früher, desto besser. Mit Freude zeigt er deshalb Schulklassen oder Kindern im Rahmen von Ferienprogrammen seine Bienenvölker, die sich insgesamt auf sechs bis acht Standorte mit rund 65 Beuten verteilen. Dabei erklärt er, warum die Honigbienen für die Menschen und die Natur so bedeutend sind. „Das Wichtigste ist, dass ihr immer ganz ruhig bleibt. Die Bienen mögen es nicht, wenn es laut ist und ihr wedelt“, erklärt Bröckel den Kindern. Sie dürfen erleben, was ein Imker macht und wie Honig hergestellt wird. Zuerst haben die Kinder noch ein wenig Angst, gestochen zu werden. Nach wenigen Minuten aber hat der Imker den Kindern ihre Angst genommen. Dann genießen sie das Kitzeln, wenn die Drohnen auf ihren Händen sitzen. Gut möglich, dass so der Grundstein für neue Imker und Naturschützer gelegt wird.

#zukunftleben

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