So geht Inklusion

Für einen Tag tauschte Azubi-Botschafterin Miami den großen, geschäftigen E-Center in Eislingen gegen einen kleinen, gut sortierten CAP-Markt in Waiblingen-Beinstein. Das Besondere: Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung eng zusammen.

Miami Alhawat

macht gerade ihre Ausbildung als Handelsfachwirtin bei EDEKA Südwest. Nebenbei ist sie als Azubibotschafterin
auf Instagram und Snapchat unterwegs und gibt spannende Einblicke in den Azubi-Alltag. Das Thema Inklusion liegt ihr sehr am Herzen, seit sie vor ihrer Ausbildung bereits einmal in einem CAP-Markt gearbeitet hat.

„Menschlichkeit ist unser CAPital.“ Dieser Satz blinkt mir von allen Bildschirmen entgegen, als ich an diesem Montagmorgen den CAP-Markt in Waiblingen-Beinstein betrete – meinen heutigen Arbeitsplatz. Und menschlich geht es hier wirklich zu! Schon eilen mir die ersten Mitarbeiter entgegen, um mich zu begrüßen. Man könnte meinen, dass Menschen mit Behinderung im Umgang mit anderen zurückhaltend sind. Das Gegenteil ist der Fall! Alle sind sehr aufgeschlossen und ich fühle mich sofort integriert.

CAP leitet sich von „Handicap“ ab, die englische Bezeichnung für Benachteiligung oder Behinderung. Doch automatisch und ganz unbewusst blende ich bereits nach wenigen Sekunden jegliches Handicap der Mitarbeiter aus und konzentriere mich voll und ganz auf den Menschen dahinter. Wir sind ein Team, jeder ist gleichgestellt. Und auch die Kunden, die durch die fein säuberlich aufgeräumten Regalreihen huschen, bemerken meist nicht, dass hier etwas anders ist.

So wundert es mich nicht, dass auch die Einweisung abläuft wie gewohnt. Es gelten die gleichen Abläufe und Standards wie an meinem eigentlichen Arbeitsplatz. Die Ware soll an der Kühltheke eingeräumt werden: neue Artikel nach hinten, das Etikett zeigt nach vorne. Einen Unterschied gibt es dann allerdings doch: Hier nehmen die Mitarbeiter besonders viel Rücksicht aufeinander. „Der ein oder andere braucht etwas mehr Zeit – und die geben wir ihm auch“, sagt Catia Roviello, die stellvertretende Marktleiterin.

Stolz zeigt Sabrina Gusso Miami ihre Salate und Obstbecher – für die sie auch bereits viel Lob von Kunden erhalten hat

Nächste Station: die Schnippelküche, das Reich von Sabrina Gusso. Die Fliesen und Armaturen sind auf Hochglanz poliert, alle Lebensmittel fein säuberlich verpackt. Die 33-Jährige hat eine Lernschwäche, doch das merkt man ihrer Arbeit nicht an. Tagtäglich verlassen hier frische Salate und Obstbecher den Raum und werden vorne in den Verkauf gestellt. Eine Aufgabe, die die ehemalige Köchin besonders verantwortungsvoll und mit viel Liebe zum Detail erledigt: „Es ist wichtig, dass man sich viel Mühe gibt. Das merkt der Kunde.“

Auf meinem Weg durch den Markt entdecke ich einen weiteren Spruch, der die Wände ziert: „Vieles kann ein Mensch entbehren, nur den Menschen nicht.“ Nebenan geht Chris Pietsch seiner Arbeit nach. Die Motorik des früheren Fachlageristen ist zwar eingeschränkt, doch er hat stets ein kleines Lächeln auf den Lippen, ist hoch konzentriert und gewissenhaft. Auf die Frage, was ihm besonders viel Spaß mache, antwortet der 27-Jährige: „Alles! Spaß habe ich immer.“ Und ihm kaufe ich das voll und ganz ab. Alleine beim Zusehen wird klar: Er gibt immer sein Bestes, ist rund um die Uhr voller Eifer dabei und erledigt nie eine Aufgabe halbherzig – und sei sie noch so banal.

„Meine Arbeit macht mir Spaß. Hier kann ich zeigen, was ich drauf habe“, erklärt Chris Pietsch Miami beim gemeinsamen Ware-Einräumen

Was sind CAP-Märkte?

In CAP-Märkten ist Inklusion (die Integration von Menschen mit Behinderungen) keine Vision von Morgen, sondern Wirklichkeit. Und was noch wichtiger ist: Normalität. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen neue Chancen zu geben, geeignete Arbeitsplätze für sie zu schaffen und diese langfristig zu planen. Unterstützt wird dieses Projekt von EDEKA Südwest.

Am Ende des Tages habe ich eines gelernt: Ihre geistigen oder körperlichen Einschränkungen machen die Mitarbeiter im CAP-Markt durch andere Qualitäten mehr als wett. Ich konnte mir etwas von ihren Arbeitsweisen abschauen und nehme den ein oder anderen Denkanstoß mit nach Hause. Zum Beispiel genauso positiv in den Tag zu starten wie Chris Pietsch. Alle meine Aufgaben mit der gleichen Hingabe zu erledigen wie Sabrina Gusso. Oder öfter dankbar zu sein und zufrieden, mit dem was ich habe.

Arbeiten beide gerne mit Menschen: Miami und Micha Gödle, der an ADHS leidet

„Ich genieße hier das Vertrauen, das man mir entgegen bringt. Nicht nur von der Geschäftsleitung auch von den Kunden. Das signalisiert mir: Ich leiste einen wertvollen Beitrag.“

Micha Gödle

Miami durfte überall mit anpacken – ob beim Bestellen der Ware oder Einräumen und Prüfen der Getränke
Hier bleib ich
Im Auftrag der Frische: eine Ausbildung bei EDEKA Südwest

Als einer der größten und beliebtesten Lebensmittelhändler tut EDEKA Südwest viel, um Nachwuchskräfte zu gewinnen, beruflich zu qualifizieren und in das Unternehmen zu integrieren. Inklusive des selbstständigen Einzelhandels sind rund 2650 Auszubildende in über 30 Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen Teil der EDEKA Südwest. Als einer der größten Ausbilder im Südwesten ist sich das Unternehmen seiner Verantwortung bewusst. Mehr zu den Ausbildungsmöglichkeiten bei EDEKA Südwest finden Sie hier.

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