WWF-Aktivist Arnulf Köhncke: „Bedrohte Tiere gehen uns alle an“

Tiger, Menschenaffen, Nashörner, Leoparden – die Liste bedrohter Tierarten ist lang. Wilderei, illegaler Handel mit Tieren und die Zerstörung von Lebensräumen sind die Hauptursachen für diese alarmierende Situation. Der World Wide Fund For Nature (WWF) hilft, Tiere und Natur zu schützen. Wir sprachen mit Dr. Arnulf Köhncke, Biologe und WWF-Artenschutzreferent:

Dr. Arnulf Köhncke, WWF-Artenschutzreferent, der sich um bedrohte Tiere kümmert

„Pro Jahr werden mit illegalem Artenhandel Profite von bis zu 20 Milliarden Euro gemacht“

Dr. Arnulf Köhncke, WWF-Artenschutzreferent

Um welche Tiere machen Sie sich die größten Sorgen?

Arnulf Köhncke: Vom Sumatra-Nashorn gibt es nur noch ganz wenige Populationen, die groß genug sind, um zu überleben. Verlieren wir es, wäre das – rund 80 Jahre nach dem Beutelwolf – die erste Art an Säugetieren, die von der Erde verschwindet. Von den afrikanischen Nashorn-Arten gibt es zwar noch mehr, aber in Afrika hat die Nashorn-Wilderei in den vergangenen zehn Jahren etwa um das 90-Fache zugenommen – es sterben mehr als 1.000 Tiere pro Jahr. Aber auch die Afrikanischen Elefanten sind seit zehn Jahren Opfer einer wirklich dramatischen Wilderei-Krise.

Die Stoßzähne vom Elefanten und das Horn vom Nashorn gelten bei uns nicht als begehrenswerte Güter. Was können die Menschen hier tun, um bedrohte Tierarten zu schützen?

Arnulf Köhncke: Um Lebensräume zu erhalten, können wir unseren CO2-Fußabdruck minimieren. Darüber hinaus sollten wir aus dem Urlaub keine Souvenirs mitbringen, für die Tiere gefährdet werden. Nachlesen kann man das im WWF-Souvenirratgeber. Zudem kann man den WWF auf vielfältige Art und Weise dabei unterstützen, bedrohte Tierarten zu schützen – in Form von Zeit, Spenden, Patenschaften und Engagement.

Wie romantisch darf man sich den Beruf des Artenschutzexperten vorstellen. Beobachten Sie Tiere in freier Wildbahn?

Arnulf Köhncke: Der Großteil meiner Arbeit findet am Schreibtisch und am Telefon statt – und zwar in Berlin. Wenn ich reise, dann meist mit dem Auftrag, die Naturschützer vor Ort zu unterstützen und Netzwerke zu koordinieren. Diese Reisen sind sehr anstrengend, weil wir möglichst viel in kurzer Zeit erledigen wollen – schließlich möchten wir sorgsam mit Spendengeldern umgehen. 14-Stunden-Tage sind dann keine Seltenheit.

Gibt es Erlebnisse, die Sie emotional besonders bewegt haben?

Arnulf Köhncke: Wir haben in Sumatra eine Elefantenpatrouille besucht. Das sind domestizierte Tiere, die wilde Elefanten in den Dschungel zurücktreiben, wenn sie auf die Felder der Bauern kommen. Unter den Patrouillierenden war ein stolzer Bulle mit prächtigen Stoßzähnen. Er wurde wenige Tage später vergiftet und seine Stoßzähne gestohlen. Die Wilderer schrecken vor nichts zurück. Das entsetzt mich.

Vom Sumatra-Nashorn gibt es nur noch höchstens 100 Individuen 

Die kleinste der fünf heute noch lebenden Nashorn-Arten ist vom Aussterben bedroht

EDEKA und WWF Partnerschaft
EDEKA & WWF: eine nachhaltige Partnerschaft
EDEKA und der WWF sind Partner für Nachhaltigkeit. Gemeinsam setzen sie sich für die biologische Vielfalt, den Ressourcen-Schutz und den Erhalt eines lebendigen Planeten ein, um ihn für die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Um mehr Aufmerksamkeit für den Schutz bedrohter Tiere zu schaffen, fand 2017 eine große WWF Treuepunkt-Aktion in allen teilnehmenden EDEKA-Märkten statt: Dabei gab es 20 Schleich-Figuren bedrohter Tierarten zu sammeln. Mehr Infos zur Partnerschaft von EDEKA und dem WWF finden Sie hier.

Schuppentiere in Not!

Schuppentiere sind die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt

Die Stoßzähne sind ihr Verhängnis

Etwa alle 30 Minuten wird in Afrika ein Elefant getötet. 20.000 Tiere lassen jedes Jahr ihr Leben, weil Menschen mit Elfenbein einträgliche Geschäfte machen wollen. Ein Drama, das sich nur langsam stoppen lässt. Zum Beispiel im Amboseli-Nationalpark in Kenia, wo die Elefantenzahlen dank des guten Schutzes vor der Wilderei wieder steigen. Afrikaweit hingegen ist die Elefanten-Population in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 100.000 Tiere zurückgegangen.

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